Wirtschaft

Wie viel Bank in Online-Anbietern wie N26 steckt

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Die digitalen Angebote von Smartphone-Banken wie N26 werden gut angenommen, das Wachstum ist hoch – aber sind sie wirklich echte Banken?

Der Wiener N26-Mitgründer Valentin Stalf bei der Eröffnung des Technologiezentrums in seiner Heimatstadt, das nun stark ausgebaut werden soll.

Für die Kunden klingt es komfortabel, die eigene Bank stets im Smartphone mit sich zu tragen – entsprechend gut werden solche Angebote angenommen. Sogenannte digitale Challenger-Banken wie die deutsche N26 fordern klassische Geldinstitute mit steilen Wachstumsraten heraus, wobei ihnen der Digitalisierungsschub durch die Corona-Krise in die Hände spielt. “In Bezug auf Umsatz und Rentabilität ist 2020 das bisher stärkste Jahr”, berichtet Georg Hauer, der das N26-Geschäft in Österreich leitet. “Wir sind bereits auf Kundenebene profitabel.”

Im Zuge der Krise konnte N26 in Österreich auch ältere Konsumenten gewinnen, die auch “E-Commerce für sich entdeckt” haben. “Das bedeutet, dass wir während der Krise neue Kundensegmente eröffnen konnten”, sagt Hauer und verweist auf international mehr als fünf Millionen Kunden in 25 Ländern – mehr als die meisten traditionellen Banken aufweisen würden.

Einlagen an Partnerbank

Allerdings bilden diese auch für Privatkunden ein umfangreicheres Produktportfolio an – weshalb N26 nun im Einlagengeschäft nachzieht. “In der Krise wird deutlich mehr gespart”, sagt Hauer und verweist auf Tagesgeldkonten, die N26 gemeinsam mit der Plattform Weltsparen und der norwegischen Partnerbank Komplett anbietet. Damit lassen sich zwar bei einem Jahr Laufzeit 0,5 Prozent Zinsen lukrieren, wobei der Satz bei längerer Bindung auf mehr als ein Prozent steigt – allerdings unterliegen diese Einlagen der norwegischen Einlagensicherung.

Dieses Beispiel zeigt, dass junge, digitale Anbieter wie N26 bisher nur Teilbereiche des Bankwesens tatsächlich abdecken – schließlich gehört das Sammeln von Einlagen zur anschließenden Vergabe von Krediten zu den Kernfunktionen eines Geldinstituts. Der Wifo-Ökonom und Bankenexperte Atanas Pekanov betrachtet daher Fintechs, wozu er auch Anbieter wie N26 zählt, generell nur als Finanzdienstleister. “Fintechs sind keine echten Banken”, sagt er, “sie übernehmen nicht die volkswirtschaftliche Funktion von Banken.”

Kaum Kreditvergabe

Tatsächlich, bei Kreditfinanzierungen für Private sieht es auch bei N26 dürftig aus: In Deutschland werden Konsumkredite angeboten, was in Österreich erst im nächsten Jahr der Fall sein soll. Pekanov ist der Ansicht, dass ein breitflächiges Angebot an Krediten für Privatkunden Fintechs vor Probleme stellt, da die Aufsicht dann genauer hinsehen werde und auch strengere Kapitalvorschriften zu erfüllen seien. “Ich bin nicht sicher, ob diese Unternehmen schon groß genug und gut genug dafür aufgestellt sind”, sagt der Wifo-Experte.

Ansonst sieht Pekanov in Fintechs auch viel Positives: Manchen Kunden würden sie Nutzen und Vorteile bringen und bei Komfort, Bedienung und der sogenannten User-Experience neue Standards setzen. “Dabei sind Fintechs sehr hilfreich, das finde ich schon wichtig”, sagt der Wifo-Experte – und fügt hinzu: “Bei digitalen Unternehmen sind die Gebühren auch sehr niedrig.”

Bei N26 sind derzeit etwa 70 Prozent aller Konten kostenlos – wobei die Smartphone-Bank diesen Anteil auf 50 Prozent senken will. Neu bei Konten ist in Österreich ein Verwahrungsentgelt ab 50.000 Euro Guthaben. Eine Präventivmaßnahme, sagt Hauer: “Wir rechnen damit, dass nur wenige Kunden dieses Entgelt zahlen müssen.”

Keine Investmentprodukte

Warten heißt es auch auf Angebote für Wertpapiere, obwohl die Nachfrage laut Fondsanbietern und Onlinebrokern heuer gestiegen ist. “Investmentprodukte sind in Österreich noch nicht im Massenmarkt angekommen”, sagt Hauer.

Kräftig ausbauen will N26 das im Vorjahr eröffnete Technologiezentrum in Wien, wo die Mitarbeiterzahl bis Mitte nächsten Jahres auf 60 verdoppelt werden soll, langfristig werden bis zu 300 Arbeitsplätze in Aussicht gestellt. Als “unglücklich kommuniziert” bezeichnet Hauer das Gezerre um die Gründung eines Betriebsrats in Deutschland, der nun Mitte November gewählt wurde. Man sei bemüht, als attraktiver Arbeitgeber zu gelten, denn: “Wir stehen im internationalen Talentewettbewerb – nicht nur mit anderen Banken, sondern auch mit Google, Facebook und Co.”

N26 steht in Österreich stärker im Rampenlicht, da die Smartphone-Bank 2013 von zwei Wienern, Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal, gegründet wurde. Aus strategischen Überlegungen hatten sie sich jedoch für Berlin als Hauptsitz entschieden. (Alexander Hahn, 5.12.2020)

Source – derstandard.at

Dallyce Macia
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